Fotos und Buchmacher

Helga mit der Rolleiflex
Kiel-Schilksee 1959
Fritz mit der Zeiss Ikon Contarex, 
Claudia mit der Kodak Instamatic 
sowie eine zugeteilte Aufpasserin
Moskau 1975
Der Buchmacher ohne Kamera 
am Heidenpfeiler, Südpfalz 2005
(Foto: Dirk Künzel)

Mit Rolleiflex, Contarex und den Kindern in ferne Länder

„Gebeugt über die Rollei, ähnlich einer Seherin über ihre Kristallkugel, befragt man die Zeit.“

Robert Doiseneau, französischer Fotograf, 1912 - 1994

Helga Buchner, (geboren in Salzburg, aufgewachsen in Köln bzw. Bonn) und Fritz Jäger, (geboren in Mannheim), lernten sich 1959 in Kiel kennen. Hier besuchten sie nach der Ausbildung zur Foto-Fachverkäuferin bzw. zum Foto-Drogisten zu Weiterbildungszwecken die Kieler Photoschule, die als „Photo- und Medienforum Kiel“ bis Ende 2025 existierte. Sie heirateten 1962 und ein Jahr darauf wurde ihr erstes Kind geboren. Wiederum ein Jahr später wurden sie im südpfälzischen Ottersheim bei Landau, dem Heimatort der Mutter von  Fritz, heimisch. Nach  Umwegen und schon als mehrfacher Vater kam Fritz über den zweiten Bildungsweg zum Lehrerberuf. 

Im Sommer 1973 verließen sie mit vier Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren Deutschland und verlegten ihren Lebensmittelpunkt für die Dauer von zunächst drei Jahren in den Iran. Fritz verlängerte seinen Vertrag mit der Deutschen Schule Teheran um weitere zwei Jahre - die maximal mögliche Laufzeit. Das Leben in der anderen Heimat war geprägt durch viele teils sehr abenteuerliche Reisen, innerhalb des Landes, mehrmals nach Afghanistan und bis nach Nepal. Alle Fahrten wurden mit den Kindern unternommen, überwiegend als Selbstversorger mit Auto und einem Faltwohnwagen im Schlepptau. Eine Infrastruktur in Form von Campingplätzen gab es östlich von Ankara meist nicht, was zu viel Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung und mitunter besonderen Erlebnissen führte. Bis zur Zeit im Iran wurden die Urlaube im Schwarzwald, in Tirol oder der Schweiz verbracht, in Jugendherbergen oder Ferienhäusern. Zelten war unsere Familie bis 1973 nie. Wir kehrten mit fünf Kindern nach Deutschland zurück. 

Zwei der wichtigsten Utensilien, die auf allen Reisen mitgeführt wurden, waren die zweiäugige Rolleiflex und die Zeiss Ikon Contarex. Mit der Rollei wurden Schwarz-Weiß-Fotos im Mittelformat gemacht, mit der Zeiss Farb-Dias im Kleinbildformat. Viele beeindruckende Fotos sind mit diesen Kameras entstanden. Nicht wenige zeigen Motive, die unwiederbringlich verloren gegangen sind, wie die Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan sowie in Städten vor verheerenden Erdbeben wie Kathmandu, Bam und Tabas.

Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen nicht millionenfach fotografierte Sehenswürdigkeiten, sondern Begegnungen mit den Menschen dieser Regionen. Die teilweise sehr abenteuerlichen Geschichten, die natürlich auch zu erzählen sind, bilden nur das Beiwerk. Gleichwohl kommen viele Fotos, insbesondere für die Betrachter und Leser, denen die bereisten Länder, ihre Kulturen und Historien nicht vertraut sind, ohne begleitende und einordnende Worte nicht aus. Die Fotos wurden ausschließlich für den privaten Gebrauch gemacht. Eine Veröffentlichung war nie vorgesehen. Die Dias haben die Jahrzehnte leider nicht ohne teils gravierende Schäden überstanden. Im Rahmen der heutigen technischen Möglichkeiten wurden sie aufwendig digitalisiert und restauriert. Die Qualität der Fotos, insbesondere der schwarz-weiß-Aufnahmen im Mittelformat, ist es wert, einem größeren Kreis zugänglich gemacht zu werden.

Eine Sonderstellung nehmen in diesem Buch die (wenigen) Fotos ein, die Claudia und ich mit der Kodak Instamatic 33 machten. Eine primitive Kamera mit einlinsigem Fixfokus-Objektiv aus Plastik, deren einzige Einstellmöglichkeit war, einen Schalter auf ‚Sonne‘ oder ‚Wolke / Blitz‘ zu stellen. Die Qualität der Fotos ist grottig, aber die damit festgehaltenen Szenen rückblickend manchmal durchaus interessant. 

Der Buchmacher, also meine Wenigkeit, hat keine Ausbildung im Bereich Fotografie. Aber ich bin familiär einschlägig vorbelastet und ersparte mir schon als Vierzehnjähriger vom Taschengeld die erste Spiegelreflex-Kamera mit Wechselobjektiven. Der Sold als Zivi ermöglichte ein paar Jahre später eine hochwertigere Ausrüstung. Früher verbrachte ich viele Stunden in der analogen Dunkelkammer, heute in der digitalen ‚Lichtkammer‘, also mit Adobe Lightroom Classic. Seit dem Jahr 2016 grabe ich mich immer wieder tief in die fotografisch dokumentierte Familiengeschichte ein. Mit Satz und Layout habe ich wenig Erfahrung. Bitte seht es mir nach, wenn diesbezüglich nicht alles in diesem Buch bis ins letzte Detail professionell erscheint. Aber ich gab mir wirklich Mühe.

Einige fotografische Highlights finden sich unten auf dieser Seite in geringer Auflösung. Aufgenommen wurden sie im Iran, in Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal und der Türkei. Diese Webseite ist für das Hochformat konzipiert, daher sieht man im Querformat die Fotos nur teilweise. Im Buch sind sie jeweils ganzseitig und in hervorragender Qualität enthalten.

Zeiss Ikon Contarex

Mit dem legendären Bullseye, also der Belichtungsmessung über dem Objektiv. Diese Kamera wurde ab 1959 hergestellt. Gefühlt aus einem Stahlblock geschmiedet - dabei aber aus 1.100 Einzelteilen bestehend, 1,2 kg schwer - und das ohne Objektiv. Ein Prototyp des "German engineering", dabei aber viel zu teuer um am Markt erfolgreich zu sein, kompliziert aufgebaut und damit wartungsanfällig. Objektiv: Zeiss Sonnar 2,0/50
Kleinbild-Format 24x36 mm

Rolleiflex T

Laut Seriennummer wurde sie zwischen 1958 und 1961 gebaut. Das Zeiss Tessar f/3.5 75 mm dient der Aufnahme, mit Hilfe des Lichtschachts schaut man "um die Ecke" durch das Heidosmat f/2.8 75 mm. Das Tessar-Objektiv (eine Ableitung aus dem griechischen Wort tessares = vier, also aus vier Linsen bestehend) wird auf Grund seiner Abbildungsleistung auch als „Adlerauge“ bezeichnet. Im Musikzimmer meines Vaters hängt ein Panorama aus vier Negativen an der Wand, Format 240x60 cm. Es ist rattenscharf. Viele legendäre Fotograf:innen arbeiteten mit dieser Kamera: Lee Miller, Helmut Newton, Vivian Maier und Robert Capa seien hier nur beispielhaft genannt. Fotografische Ikonen des 20. Jahrhunderts sind damit entstanden. Mittelformat, 58 mm im Quadrat.

Kodak Instamatic 33

"Instamatic" war der Markenname für ein Kassettenfilmsystem von Kodak, ein Kofferwort aus den Wörtern instant  und automatic. „Instant“ bezog sich dabei auf das einfache Einlegen der Filmkassette, keine fummelige Arbeit mit Filmpatronen, also eine geeignete Kamera für Kinder. Die mit ihr gemachten Fotos spielen im Buch nur eine untergeordnete Rolle.
Negativformat: 28,6 mm im Quadrat.

suchen und sortieren

Jahrzehntelang waren Dias und Negative in zwei Häusern verstreut. Seit 2016 suchte ich immer wieder nach verschollenen Fotos. Mein Vater auf mehrmalige Nachfrage: „Nein, ich habe ganz sicher nichts mehr bei mir!“  Einige Monate später ein Anruf: „Ich miste gerade den Keller aus und habe zwei Diamagazine gefunden. Wenn du sie nicht willst, kommen sie in den Müll.“  Als ich das Sofa im Haus meiner Mutter seniorengerecht umbaute, fand ich dahinter sechs Dias, von denen es fünf ins Buch schafften ... Es gibt immer noch Dias, die bisher nicht aufgetaucht sind.

digitalisieren

Die guten und brauchbaren Negative und Dias wurden sortiert, gereinigt und umgerahmt (Dias), die meisten anschließend professionell von Jürgen Kaufmann, Inhaber von scan-studio.de, mit dem Nikon Coolscan 5000 (Kleinbild) bzw. 9000 (Mittelformat) teils mehrfach gescannt und anschließend mit verschiedenen Software- Korrekturverfahren (ICE4, Digital GEM und ROC) bearbeitet. Negative, die nur im kleinen Format ins Buch aufgenommen wurden, digitalisierte ich selbst mit Nikon D810,  Macro-Objektiv, Stativ  und Leuchtplatte.

restaurieren

Bei den Scans der Dias wurden insbesondere Farben korrigiert, die Körnigkeit abgemildert und die Helligkeitsverteilung homogenisiert. Mechanische Mängel der Negative machten teilweise eine aufwändige Fleißarbeit mit Lightroom Classic erforderlich. Versuche, mit KI-basierten Programmen Beschädigungen zu entfernen, ergaben keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Nach all der Arbeit sind nun Ausdrucke im Posterformat möglich. Mit spezieller Software wurden in drei Fällen mehrere Negative bzw. Dias zu Panoramen gefügt (Bamiyan, Nayband). 
im Iran

Lurin, Iran

Feiern zum 1. Jahrestag der Republik Afghanistan 1974
Mirabellenverkäufer in Kathmandu

in Kerman, Iran

in der Provinz Fars, Iran

Bei Yazd, Iran

Verkehrsteilnehmer in Indien

Auf dem Weg nach Bamiyan, AFGHANISTAN

in Herat, Afghanistan

Am kleinen Buddha, Bamiyan, Afghanistan

in Ortahisar, Kappadokien, Türkei
Paschtune in Lahore, Pakistan
in Luristan, Iran

In Masar-e Sharif, Afghanistan

Wasserbüffelhirten in Indien
in Band-e Amir, Afghanistan
in Isfahan, Iran
Träger in Kathmandu
Verkäuferin in Minab, Iran

KhyBer-Pass, Grenze zw. Afghanistan und Pakistan

der Druck

Das Buch wurde mit Affinity Publisher 2 gestaltet. Es war das erste Mal dass ich mit einem professionellen Layout-Programm arbeitete. Mit der Offsetdruckerei Karl Grammlich GmbH in Pliezhausen bzw. ihrem Book on demand-Ableger buch.one fand ich die passende Druckerei. Für diesen Tipp geht ein Dank an den Fotografen Erik Scklicksbier und seinen Blog! Die englische Version des Buches wurde in Pliezhausen (liegt zwischen Stuttgart und Tübingen) auf 150g-Papier (Arctic Paper G-Snow) mit einer recht neu installierten Canon varioPRINT iX3200 gedruckt. Eine beeindruckende Maschine: 8,80 m Länge, 2,75 m Breite und 2,30 m Höhe, Gewicht etwa 8.000 kg. Die Feinabstimmung der Farbbalance, die wegen SW-und Farbfotos in einer einzigen CMYK-Datei nicht ganz simpel ist, nahmen wir vor Ort mit Hilfe von Probedrucken vor (siehe das Video unten). Sowohl die Beratung und Hilfestellung wie auch die Freundlichkeit der Mitarbeitenden der Druckerei war fabelhaft. Und nein, ich erhalte dafür jetzt keinen Rabatt.

Die etwas umfangreichere deutsche Fassung geht im März 2026 in den Druck.

Wer einen guten Scan-Service sucht ...

.... ist bei Jürgen Kaufmann richtig.

Wer einen eigenen Bildband realisieren möchte ...

.... findet bei Erik Schlicksbier gute Tipps. Insbesondere in seinen Podcasts.
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